Die Peling Schätze

Die Linie von Pema Lingpa geht zurück bis ins 8.Jahrhundert, zu der Zeit als Padmasambhava( tib. Guru Rinpoche ) zum ersten Mal Buddhistische Vajrayana Lehren von Indien nach Tibet und Bhutan brachte.

Obschon es mit deren Hilfe gelang, weit verbreitete negative Kräfte zu unterwerfen, sowohl kultureller als auch mystischer Art, konnte Guru Rinpoche Hindernisse voraussehen, die das Dharma in künftigen Generationen stören würden, zu Zeiten, in denen die Lehren verwirrend werden würden und getrennt von ihren grundlegenden Anweisungen (Kerninhalten). Um diese Entwicklung zu lindern, segnete er die Regionen mit Termas (versteckten Schatz – Lehren), die in künftigen Zeiten entdeckt werden würden zum Wohle der fühlenden Wesen.

Während Guru Rinpoche in Tibet wirkte, prophezeite er einerseits, wer die Tertöns (Schatzfinder) sein würden, andererseits auch die entsprechendenden Zeiten und Umstände, die es ermöglichten, die Schätze zu entdecken. Diese esoterischen Lehren wurden verborgen in verschiedenen Landschaften des Himalayas, in Bergen, Kliffen, Bäumen, Flüssen, Seen und Höhlen und auch in den Bewusstseinsströmen der SchülerInnen, die, wenn wiedergeboren als spirituelle MeisterInnen, geführt werden würden diese Termas zu entdecken durch Träume, Visionen und unmittelbare Verwirklichungen (spontaneous realisations). Bis zu der heutigen Zeit hatte es viele hunderte von Tertöns gegeben, die tausende dieser versiegelten Lehren Guru Rinpoches geborgen hatten. Unter diesen gab es die Fünf Grossen Tertön Könige, von denen Pema Lingpa der vierte war.

In Tibet begann das Vermächtnis von Pema Lingpa mit dem Tod der Prinzessin Pema Sel (Lacham Pemasel), Tochter des Königs Trisong Detsen, die unerwartet starb in ihrem achten Lebensjahr. Guru Rinpoche, gewahr des unendlichen Kummers des Königs über den Verlust seiner einzigen Tochter, zog Prinzessin Pema Sel’s Bewusstsein zurück in ihren Körper. Guru Rinpoche übermittelte ihr daraufhin die geheime Lehre von Khandro Nyingtig (Herztropfen der Dakini / Herzessenz der Himmelswandlerin) und ermächtigte sie, diese Lehren wieder zu entdecken in einem künftigen Leben. Er segnete sie aus der Tiefe seines Herzens und sagte vorher , dass sie in einem zukünftigen Leben als Tertön König Pema Lingpa wiedergeboren würde, und dass sie seine verborgenen Lehren entdecken würde, die sich bezogen auf die Zyklen der drei Herzpraktiken: Lama Norbu Gyamtso (Lehrer Juwelenozean), Künsang Gongdü (Vereinigung aller Zwecke/Absichten des All-Guten/Samantabhadra/i) und Tugche Chenpo (Grosser Mitfühlender, The Great Compassionate One) : Münsel Drönme (Die Lampe , die die Dunkelheit erhellt – Roter Chenresig yabyum).

Wiedergeboren als Pema Lendrentsäl entdeckte die Prinzessin Pema Sel die Khandro Nyingtig Lehren und belehrte zu diesen ausgedehnt. Als Pema Lendrentsäl’s Wiedergeburt gilt Longchen Rabjam, der grosse Meister. Pema Lingpa gilt als die direkte und einzige Wiedergeburt des Allwissenden Longchenpa.

Pema Lingpa, der 1450 unter glücksverheissenden Zeichen in Bhutan, im Tal von Bumthang geboren wurde, war  Nachkomme tantrischer Praktizierender der Nyingma Tradition. Zwar war sein formales religiöses Training nicht sehr ausgedehnt, doch beginnend schon im Jünglingsalter bildeten seine Träume und Visionen die Quelle, aus der er Anweisungen erhielt, um 108 grosse Schatz-Texte und Reliquien zu bergen in Bhutan, Teilen von Tibet und in Indien.

Jedoch, gemäss der karmischen Veranlagung der Wesen zu dieser Zeit, enthüllte Pema Lingpa gerade 32 der prophezeiten Schätze.

Pema Lingpa’s umfangreiche Sammlung von Texten, genannt „ Die Kostbare Sammlung von Tiefgründigen Schatzlehren des Grossen Meisters Pema Lingpa“ beinhaltet 21 Bände, bestehend aus 14 Haupt-Schatz- Zyklen, sowie sogenannt „gewöhnlichen“ Kompositionen des Schatzfinders und späterer Meister.

Die Mehrzahl der von Pema Lingpa geborgenen Schätze enthält Ermächtigung – und Praxisanleitungshandbücher zum Mahayoga Tantra gehörend, ebenfalls vorhanden sind auch drei wesentliche Atiyoga Zyklen. Die Sammlung umfasst verschiedene Texte, eine Verschmelzung von Erzählungen, Anweisungen und Ritualen.

Pema Lingpa gilt als einer der Fünf Grossen Schatzfinder Könige, da sich unter seinen Schätzen die drei allerwichtigsten Zyklen von Lehren und Praktiken befinden: der Zyklus des Guru, der Zyklus der Gottheit des Mitgefühls – Avalokiteshvara (tib. Chenrezig), sowie der Zyklus der Grossen Vollkommenheit – Dzogchen.

Der Zyklus des Guru ist einer der allerwichtigsten und bekanntesten Schätze, die Pema Lingpa entdeckte. Er heisst Lama Norbu Gyamtzo oder zu deutsch Lehrer Juwelenozean.

Dieser Zyklus bezieht sich vollständig auf Guru Padmasambhava (tib. Guru Rinpoche) und enthält viele Belehrungen, Praktiken und Rituale. Pema Lingpa barg diesen Schatz beim Löwengesichtigen Felsen bei Mendo in Lhodrak , Bhutan.

Der erste Teil des Zyklus enthält eine Reihe von Anweisungen bezogen auf verschiedene Inhalte, geschrieben in der Form von Gesprächen zwischen Guru Rinpoche und seinen nächsten Schülern und Schülerinnen wie Prinz Mutik Tsenpo und seiner Schwester Prinzessin Pema Sel. Dabei nehmen eine Reihe von Ermächtigungen und Praxishandbüchern einen zentralen Platz innerhalb dieses Zyklus ein, einschliesslich des Wurzeltextes des Zyklus, einer Atiyoga Ermächtigung.

Am Ende dieses Zyklus befindet sich ein Verzeichnis von verschiedenen Riten, wie zum Beispiel von Rauchopfergaben, Einsegnungszeremonien, Begräbnisdiensten und Anweisungen zum Regenmachen.

Der Lama Norbu Gyamtso Zyklus besetzt die ersten zwei Bände der Sammlung von Pema Lingpa’s Schätzen.

Der Avalokiteshvara Zyklus – Der Grosse Mitfühlende : Die Lampe, die die Dunkelheit erhellt, wurde entdeckt im unzerstörbaren Bezirk der Kupferhöhle von Rimochen, Bhutan.

Einer der Zyklen der grossen Vollkommenheit, den Pema Lingpa geborgen hatte, ist Kunsang Gongpa Kundu: Grosse Vollendung, Die Vereinigung aller Zwecke/Absichten des Allguten/ Samatabhadra/i. Der erste Teil dieses Schatzes wurde geborgen aus der Stupa von Chimphu in der Nähe von Samye, in Tibet. Ein anderer Teil wurde entdeckt in Tharpaling, in der Nähe von Bumthang, er war zuvor entdeckt und wieder versteckt worden von Longchenpa.

Dieser Zyklus beinhaltet den schnellen und tiefgründigen Weg, der es ermöglicht, innerhalb eines Lebens die Befreiung zu erlangen.

Die anderen beiden Zyklen der Grossen Vollkommenheit sind:

„Die Quintessenz der Geheimnisse/Rätsel des Leuchtendklaren Raumes“ und „Das Tantra des Kleinen Kindes“.

Jeder Ati Zyklus legt Wert auf unterschiedliche Betonungen, zusammen aber funktionieren sie als Einheit. Jeder Zyklus ist eine Schilderung um eine bestimmte Gattung/Art zu betonen: bezogen auf Anweisungen, Ermächtigungen und Tantras.

Die Vereinigung aller Zwecke/Absichten des Allguten legt besonderen Wert auf Anweisungen und beinhaltet zusätzlich Ermächtigungen von Friedvollen und Zornvollen Gottheiten (shi tro), wie auch Geheime Anweisungen (sman ngag/menak) bezogen auf fortgeschrittene yogische Gebiete.

Der erste Band von „Die Quintessenz der Geheinmisse/Rätsel des Leuchtendklaren Raumes“ beinhaltet fast zur Gänze Ermächtigungen (Einweihungstexte). Der zweite Band beinhaltet ein interessantes Verzeichnis von verstreuten Texten einschliesslich Ratschlägen zur yogischen Kunst des Schnellen Gehens, Schutz gegen Schadensgeister und Reiseführern zu Verborgenen Ländern.

Der gesamte Band des „Tantra des Kleinen Kindes“ beinhaltet Tantren und Kommentare bezogen auf einen wichtigen Teil der „Sammlung der Nyingma Tantras: Die Siebzehn Unübertroffenen Geheimen Dzogchen Tantren „ (Yang gsang bla na med pa rdzogs pa chen po’i rgyud bcu bdun gyi skor rnams, -Band 9 und 10 des Nyingma Gyubum). Dieser Zyklus gilt als sogenannt wiederentdeckter Schatz (yang gter), ursprünglich geborgen durch den Schatzfinder Sherab Membar.

Diese Lehren, genau so wie die anderen Schatzzyklen des Grossen Schatzfinders Pema Lingpa, enthalten zahlreiche Praktiken, Rituale und Anweisungen, bestimmt, um vom Glück begünstigte, fühlende Wesen zur Befreiung zu führen.

All diese Schätze von Pema Lingpa werden behutsam weitergetragen bis in unsere Tage durch die drei Linien seines erleuchteten Körpers , seiner erleuchteten Sprache und seines erleuchteten Geistes.