Ermächtigung

Die zur Reifung führenden Vier Ermächtigungen sind wie ein Strom von Nektar.

Sie reinigen die Vier Verschleierungen und sähen die Samen der vier Kayas;

 sie sind die Wurzel des Mantrapfades.

Dies ist meine Herzanweisung.

                                                                                                                      Bante Dharmaraja

Was ist Ermächtigung

Die Lehren des Buddha Shakyamuni werden in drei Fahrzeuge unterteilt: Hinayana, Mahayana und Vajrayana. Ermächtigungen oder Initiationen (tib.:Wangs) sind ein Bestandteil des Vajrayana Fahrzeugs.

Von den beiden Hauptteilen des Vajrayana – die zur Reifung führende Ermächtigung und die zur Befreiung führenden Belehrungen – ist (die zur Reifung führende) Ermächtigung der erste.

Gemäß der Sicht des Vajrayana hat jedes fühlenden Wesen die Buddhanatur – das Potential zur Erleuchtung, welches uns seit Anbeginn innewohnt. Eine tantrische Ermächtigung ist eine Zeremonie, die unser Potential, ein Buddha zu werden, aktiviert.

Durch das Ritual der Ermächtigung zeigt der Vajra-Meister dem/der qualifizierten SchülerIn ein Aufleuchten des reinen Bereichs außerhalb der gewohnheitsmäßigen Muster unseres Geistes.

Basierend auf ihrem Erleben während der Ermächtigung werden die Schüler durch die nachfolgende Praxis der Meditation lernen, diese Erfahrung aufrechtzuerhalten und auszuweiten.

 

All die Rituale während einer Ermächtigung dienen einer Funktion: Zeitweilig unsere normale Art der Wahrnehmung von Realität zu transformieren.

Im Vajrayana sind die verschiedenen Meditationen verknüpft mit einer bestimmten  Meditations -“Gottheit“ (tib.: Yidam), die einen Aspekt des erleuchteten Geistes symbolisiert. Durch den Wang sind wir ermächtigt, die unterschiedlichen Stufen der Meditation dieser Gottheit zu praktizieren. Auch ist die Ermächtigung ein sehr starker Segen, eine Ursache für die Verwirklichung der Buddhaschaft in der Zukunft.

Das Ziel des Tantra ist die Reinigung unserer angesammelten Handlungen von Körper, Rede und Geist durch das Auflösen aller Verwirrungen und Hindernisse, hin zu Befreiung und Allwissenheit, so dass sich unsere Handlungen nicht mehr von denen eines Buddha unterscheiden. Das Erhalten einer Ermächtigung ist wie das Sähen eines Samens. Mit den richtigen Bedingungen wird dieser Same später keimen und wachsen bis hin zu Buddhaschaft.

Im Verlauf der Ermächtigung wird jedes der drei Tore individuell gesegnet, so gibt es eine Körpereinweihung, eine Redeeinweihung und eine Geisteinweihung. Auf diese Weise werden die Verunreinigungen jedes der drei Tore gereinigt, und man wird ermächtigt, sich selbst in der Form der Gottheit zu visualisieren, das Mantra der Gottheit zu rezitieren und über den Geist der Gottheit zu meditieren.

Unser gewöhnlicher Geist ist hart und unreif. Er wird mit der Ermächtigung zur Reife gebracht. Auf Tibetisch bedeutet das Wort Nektar eine Substanz, die Gift in Nektar verwandelt. Die Bedeutung betont also die Qualität der Transformation, ähnlich der Alchemie. In der Alchemie werden gewöhnliche Metalle in Gold verwandelt. Unser Geist ist ähnlich eines gewöhnlichen Metalls, welches durch die Ermächtigungszeremonie in Gold umgewandelt wird.

Während uns der Nektar in der Zeremonie durchströmt, meditieren wir die Transformation in den Gottheits-Zustand. Dadurch reinigen wir alle unsere negativen Gedanken und Verschleierungen. Wir manifestieren unseren Geist als den Gottheits-Geist. Unser gesamtes Sein ist in das Mandala der Gottheit transformiert worden.

Durch die Vier Ermächtigungen reinigen wir die vier Verdunklungen. Durch das Reinigen der vier Verdunklungen pflanzen wir den Samen zur Erlangung der vier Kayas in der Zukunft. Diese Schritte sind die grundlegenden Elemente des Tantra, der Wurzel des Vajrayana Systems.

Eine vollständige Vajrayana Ermächtigung wird üblicherweise in vier Abschnitte unterteilt:

 

  1. Vasen Ermächtigung
  2. Geheime Ermächtigung
  3. Weisheits-Ermächtigung
  4. Wort- oder „Soheit“-Ermächtigung

 

 

Die Vasen-Ermächtigung reinigt die Verschleierungen des Körpers. Wir sind ermächtigt, uns selbst als die Gottheit zu visualisieren. Das Resultat ist die Erlangung des Manifestations Körpers eines Buddha – der Nirmanakaya.

Während der geheimen Ermächtigung reinigen wir die Verschleierungen unserer Rede. Wir sind ermächtigt, die Rezitation des Mantra  und die Meditation der subtilen Kanäle (nadi . Tib: Tsa), der subtilen Winde (prana, tib:lung) und Sphären des Körpers (bindhu, tib: tigle)  zu praktizieren. Das Resultat ist die Erlangung des Strahlenden Glückseligkeitskörper eines Buddha – den Sambhogakaya.

Die Weisheits-Ermächtigung reinigt unseren Geist. All unsere Täuschungen werden in die Weisheits-Natur transformiert. Es ermächtigt uns die Un-Trennbarkeit /die Nicht-Dualität unseres Geistes und des Gottheits-Geistes zu verwirklichen. Das Resultat ist das Erlangen des Weisheitskörper eines Buddha – den Dharmakaya.

Die Wort-Ermächtigung reinigt die subtilen, gewohnheitsmäßigen Tendenzen, auf denen die dualistische Wahrnehmung beruht. Die subtilen Verschleierungen werden in ursprüngliche Bewusstheit transformiert.Wir sind ermächtigt, die letztendlichen/höchsten Lehren der Großen Vollkommenheit / Dzogchen zu praktizieren. Das Resultat ist die Erlangung des Svabhavakaya, die Vereinigung der vorangehenden drei Kayas /Körper.

 

                                      Wie man eine Ermächtigung empfängt

Zur Durchführung einer Ermächtigung müssen drei Bedingungen gegeben sein:

-Die Motivation des Lehrers ist rein und wurzelt in Liebe und Mitgefühl. Der Lama wurde auch ermächtigt und muss selbst in dieser Praxis Erfahrung haben.

-Die StudentIn /SchülerIn muss ohne Zweifel /ohne Vorbehalt der Gültigkeit des Rituals und der Qualifikation des Lama vertrauen. Der Lama wird als der Repräsentant des Buddha verstanden.

-Ritual-Objekte wie Abbildungen, Vasen ( Bumpa), Tormas und andere angemessene Darbringungen / Opfergaben müssen auch vorhanden sein.

Vor der Ermächtigung ist es wichtig, die richtige innere Haltung zu kultivieren, all die fühlenden Wesen im Geiste zu tragen, die im Kreislauf von Samsara leiden. Du kannst nicht viel daran ändern, denn Du bist genauso darin, wie jeder andere auch. Nur durch die Erlangung der Weisheit, des Mitgefühls und der Kraft der Buddhas kannst Du Dich selbst und andere aus diesem Zustand befreien/ retten; und so, zum Besten aller fühlenden Wesen, erhältst Du diese Einweihung.

Während des Hauptteils der Zeremonie stellen wir uns den Vajra Meister und uns selbst in der Form der jeweiligen Meditations-Gottheit dieser Ermächtigung vor. Die ganze Umgebung wird angesehen als himmlischer Palast oder Mandala.

Im Verlauf der Ermächtigung solltest Du Dir den Lama als ungetrennt von der Gottheit vorstellen. Die beste Art ist, eine feste Überzeugung zu haben, dass Du die Einweihung von der Gottheit empfängst. Während der Ermächtigung sind mannigfaltige Visualisierungen und Handlungen zu vollziehen. Sie können zuvor vorgestellt werden, oder zu gegebener Zeit vom Lama erklärt werden.

Am Ende der Zeremonie gibt der Lama ein Samaya- eine verbindliche Zusage /ein Gelübde, welches den eigentlichen Pfad für die Schüler zeichnet. Es gibt verschieden Arten von Samayas, in Zusammenhang mit dem Lehrer, der die Ermächtigung gibt, eine Meditations Gottheit und die Praxis selbst. Obschon jede Einweihung ihre entsprechende, verbindliche Zusage hat, sind die während einer großen, öffentlichen Einweihung gegebenen Samayas üblicherweise nicht spezifisch. Gleichwohl werden durch das Erhalten einer Einweihung Lehrer, als auch Schüler, als Teil desselben Mandala angesehen. Schüler seien verpflichtet die Lehrer und die Gottheit zu respektieren und in Harmonie mit den anderen Dharma-Schwestern und -Brüdern zu bleiben, die gemeinsam diese Einweihung erhalten haben.