S.E. Gangteng Tulku Rinpoche

Im Jahr 1955 wurde Kunzang Rigdzin Pema Namgyal als neunter Gangteng Tulku in der Umgebung von Trongsa in Zentralbhutan in die Familie adeliger Eltern geboren: zu dem Vater Tshering Dorji, der ein Nachkomme des tibetischen Königs Trison Detsen war und der Mutter Tshering Pelmo. Der Geburt des Tulku gingen zahlreiche glückverheißende und wunderbare Zeichen voraus, wie der mit Regenbögen bedeckte Himmel und das nicht der Jahreszeit entsprechende Blühen von Bäumen und Pflanzen. Vor der Geburt, als der Tulku noch im Bauch seiner Mutter war, sah diese in einem sehr glückverheißenden Traum wie sich kochendes Wasser in Milch verwandelte und zahlreiche Kinder Wasser herbeibrachten. Ebenso träumte sie, dass der Sand und die Steine an den Ufern des nahe gelegenen Baches sich in weisse Perlen verwandelten und dass das Wasser zu Milch wurde, welches von einer der beiden Öffnungen aus dem strahlenden Felsen auf den Norden des Hauses zufloss. Als die Mutter den ungefähr ein Monat alten Tulku eines morgens badete, wurde zur Überraschung und zum Staunen aller ein fünffarbiger Regenbogen sichtbar, der aus östlicher Richtung kommend auf die Badewanne traf.

Oft sprach der Tulku als er klein war von der Gompa und ahmte Handlungen, wie das Erteilen von Segen und Belehrungen, nach. Mit ungefähr sieben Jahren wurde er als Mönch in „Trongsa Dratshang“ aufgenommen. Nachdem er die Grundlagen des Lesens und Schreibens gelernt hatte, meisterte er ebenso die Praktiken der inneren und äusseren Rituale, wie die Handhabung der religiösen Instrumente usw. Während dieser Zeit erfolgte die Anerkennung Kunzang Pema Namgyals zum neunten Nachfolger der Körperemanation des Pema Lingpa durch den 16. Karmapa Rangjung Rigpe Dorje, S.H. Dudjom Rinpoche, S.H. Dilgo Khyentse sowie von anderen Führern des Vajrayana-Buddhismus.

Daraufhin wurde der Tulku im „Tango Buddhist College“ eingeschrieben. Während dieser Zeit empfing er durch Je Khenpo Tendzin Döndrup, Je Khenpo Geduen Rinchen und von anderen vortrefflichen Lehrern die geheimen Vajrayana-Lehren, eingeschlossen die vollständigen der Sarma und des Dzogchen.

Die formelle Inthronisation erfolgte mit 16 Jahren in „Gangteng Gompa“, dem traditionellen Sitz der Gangteng Tulkus. In Folge dessen übernahm der junge Abt als spirituelles Oberhaupt die Obhut für 19 private Nyingma-Klöster und Einsiedeleien. (Diese Anzahl hat sich seither auf über 35 erweitert.)

Die Lage der „Gangteng Gompa“ war von Pema Lingpa selbst gewählt worden. Zu Beginn der frühen 1500er Jahre wurde mit dem Bau des Klosters durch Pema Lingpas` Enkelsohn, dem ersten Gangteng Tulku begonnen. Das gegenwärtige Erscheinungsbild des Klostes wurde später durch den zweiten Gangteng Tulku fertiggestellt. Heutzutage ist „Gangteng Gompa“ das größte private Nyingma-Kloster im gesamten Königreich Bhutan. 

Schon bald begann der neunte Gangteng Tulku drei Jahre des persönlichen Studiums mit Seiner Heiligkeit Dudjom Rinpoche, dem Oberhaupt der Nyingma-Linie. Während dieser Zeit bekam er sowohl von S.H. Dudjom Rinpoche wie auch von S.H. Dilgo Khyentse Rinpoche den vollständigen Zyklus von Einweihungen und Belehrungen der Pema Lingpa Linie übertragen. Jeder dieser beiden Meister hatte die Einweihungen in Tibet erhalten und trug die Texte auf der Flucht aus Tibet bei sich.

Im Anschluß an diese Zeit des Studiums verbrachte er acht Jahre in beinahe stetigem Meditations-Rückzug als Schüler des ehemaligen Je Khenpo, Tenzin Döndrub; weithin anerkannt als einer der am höchsten realisierten Dzogchen-Meister unserer Zeit.

Zu dem Zeitpunkt als der neunte Gangteng Tulku seine Geburt gewählt hatte, befand sich die Pema Lingpa Linie in einer schwierigen Lage wie auch die Bausubstanz von Gangteng Tulkus` Klöstern in schlechtem Zustand. Weiter verstärkte sich diese Situation, durch die vollständige Ausrottung der Pema Lingpa Tradition in Tibet. Der Gangteng Tulku stand nun der Aufgabe gegenüber diese kostbaren Praktiken und Lehren zu verbreiten, von denen er jetzt der hauptsächliche Halter war. 

Zu dieser Zeit begann er eine intensive Lehrtätigkeit zuhause, in seiner spirituellen Heimat Bhutan, wie auch mit weiteren Studienjahren in Nepal bei dem verehrten Dzogchen-Meister Chatral Rinpoche Sangye Dorje. Dann, in der Mitte der 1980er Jahre, dank der Unterstüzung und dem Drängen seines Lehrers, dem ehemaligen Je Khenpo Tenzin Dhöndup, fasste der neunte Gangteng Tulku den Beschlusss den Westen zu besuchen und Dzogchen, „die große Perfektion“ des neunten Fahrzeuges, zu lehren. Bei seinen ersten Besuchen reiste er alleine, ohne einen einzigen Begleiter.

Seine Absicht war sowohl die Pema Lingpa Linie durch die Verbreitung dieser Tradition unter westlichen Schülern neu zu beleben, als auch finanzielle Unterstützung zu erhalten für die Renovation der 400 Jahre alten Gangteng Gompa sowie für eine grosse Anzahl anderer Dharma-Projekte, mit denen er in Bhutan begonnen hat.

Seitdem er 1992 nach einem weiteren Drei-Jahres-Retreat aus der Abgeschiedenheit wieder an die Öffentlichkeit getreten ist, hat Gangteng Tulku Rinpoche unaufhörlich dafür gearbeitet das Überleben von Praxis und Lehre der Pema Lingpa Tradition sicherzustellen. Zwei Drei-Jahres-Retreat Zentren, ein abgeschiedenes Dzogchen Drei-Jahres-Retreat Zentrum, ein neues Kloster („Ogyen Ling“) in der Gegend seiner Herkunft in Tongsa, ein Nonnenkloster, eine Shedra für Frauen nahe dem Geburtsort Pema Lingpas in Bhumthang und eine hochangesehene Shedra auf Universitäts-Niveau in unmittelbarer Nachbarschaft zur Gangteng Gompa, sind nur einige der Früchte dieser intensiven Periode der „Buddha-Aktivität“ von Gangteng Tulku.

Darüber hinaus hat Rinpoche die „Yeshe-Khorlo Zentren“ gegründet, hat Schülerinnen und Schülern in den USA, Kanada, Europa, Taiwan, Singapore, Indien und in anderen Ländern Belehrungen gegeben und Ermächtigungen, Übertragungen und Segen erteilt.

Er führt seine Lehrtätigkeit weiter und ist basierend auf den Fähigkeiten und dem Verdienst der Lebewesen eine Quelle der Inspiration.